Schmuckschildkröte als blinder Passagier im Flugzeug

Nicht ganz freiwillig, sondern sicher als Urlaubsmitbringsel eines Passagiers war das Tier an Bord gekommen. In einem Flieger, unterwegs aus der Dominikanischen Repubik nach München, war das kleine Tierchen in der Toilette gefunden worden.

30.08.2017 – Es war ein nicht alltäglicher Fund, den die Mitarbeiter der Fluglinie am vergangenen Montag meldeten: auf dem Fußboden einer Bordtoilette krabbelte plötzlich eine Wasserschildkröte herum. Offensichtlich hatte einer der Fluggäste das Tier zuvor an Bord geschmuggelt und es hier während des Fluges ausgesetzt.

„Leider kommt es regelmäßig vor, dass Urlauber aus ihren Ferien ein exotisches Tier mitbringen und dieses illegal nach Deutschland einführen wollen“, erläutert Dr. Markus Baur, der Leiter der Auffangstation für Reptilien, München e.V., „Allerdings ist dies für uns das erste Mal, dass der Verursacher es sich bereits auf halber Strecke anders überlegt hat. Vermutlich hat bei seiner Entscheidung, das Tier doch schnell wieder loswerden zu wollen, auch die Angst vor dem Flughafenzoll eine wichtige Rolle gespielt.“

Bei der gefundenen Art handelt es sich um eine junge Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans), die der unbekannte Urlauber vermutlich auf einem Basar o.ä. erstanden hat. „Nicht selten werden solche Tiere spontan aus Mitleid gekauft, weil die Haltungsbedingungen bei den Händlern alles andere als optimal sind“, weiß Baur. „Damit tut man aber weder den Tieren noch dem Tierschutz einen Gefallen, denn mit dem Mitleidskauf werden die Zucht und der Handel noch weiter angefeuert und somit letztlich die ganze Problematik verschärft.“

Die Rotwangen-Schmuckschildkröte aus dem Flugzeug

Hohe Geldstrafen bei manchen tierischen Urlaubsmitbringseln

Wer ein Tier illegal in die EU einführt, muss damit rechnen, dass das Urlaubsmitbringsel vom Zoll beschlagnahmt und der Importversuch mit einer hohen Geldstrafe geahndet wird.

Im Fall der Rotwangen-Schmuckschildkröte handelt es sich aber nicht einmal um eine seltene Art. In den deutschen Seen können sie häufig beobachtet werden, weil Tierhalter, denen die Exoten lästig wurden, sie hier regelmäßig aussetzen.

Was passiert mit dem illegalen Tierchen?

Der blinde Passagier aus der Dominikanischen Republik hat Glück: Die Schildkröte darf fortan gemeinsam mit rund 500 ihrer Artgenossen in einem artgerechten Refugium der Reptilienauffangstation in München verbringen, bis sie schließlich in sachkundige Hände weitervermittelt werden kann.

Quelle: Auffangstation für Reptilien, München e.V.

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