Echtpelz häufig nicht deutlich gekennzeichnet

Tierschutzverbände üben Kritik, weil es massive Verstöße gegen die EU- Textilkennzeichnungsverordnung zur Kennzeichnung von Echtpelz gibt. In ganz Europa kaufen Konsumenten Echtpelz, ohne es zu wissen. Die Forderung: Echtpelz muss endlich transparent gekennzeichnet werden!

28.09.2017 - Dass Textilkennzeichnungsverordnung für Textilprodukte nur sehr mangelhaft eingehalten wird, zeigt ein brisanter Report, den die „Fur Free Alliance“ (Anti-Pelz-Allianz) im Europäischen Parlament vorgestellt hat.

Endlich Transparenz schaffen

Die Tierschützer fordern die EU-Kommission auf, eine transparente, verbraucherfreundliche Kennzeichnungspflicht von Echtpelzprodukten in der EU zu beschließen. Laut Report waren in Deutschland 51 Prozent der Pelzwaren nicht korrekt gekennzeichnet. Schlusslicht ist Großbritannien mit 93 Prozent. Die Anti-Pelz-Allianz ist eine internationale Koalition von 40 Tierschutzorganisationen. In Deutschland sind die Stiftung VIER PFOTEN sowie der Deutsche Tierschutzbund Mitglied.

Marderhund

Echtpelz häufig bei Billigprodukten

Dr. Henriette Mackensen, Fachreferentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund: „Gerade bei billigen Kleidungsstücken vermuten Käufer fälschlicherweise, dass es sich nicht um echten Pelz handelt. Tatsächlich sind besonders im Billigpreissegment, sogar schon für 10 Euro, Produkte mit Echtfell im Handel, ohne dass Verbraucher sie als solche erkennen können. Das darf nicht sein und muss durch klare Kennzeichnungsregeln geändert werden.“
Thomas Pietsch, Wildtierexperte von VIER PFOTEN, fordert, dass Echtpelz gekennzeichnet werden muss mit dem Namen der Tierart, der geografischen Herkunft des Fells und dem Hinweis, ob es sich um Fallenfang oder Käfighaltung handelt.

Europaweite Pelz-Tests

Recherchen im Einzelhandel an 667 Kleidungsstücken mit echtem Tierpelz in zehn EU-Ländern ergaben, dass in 68 Prozent der Fälle die erforderliche Kennzeichnung fehlte. In allen untersuchten EU-Staaten – Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Litauen, Österreich, Polen, Schweden, Tschechien – gab es klare Kennzeichnungsverstöße. Das Problem trat besonders im Billigpreissegment auf, speziell bei Echtpelzartikeln, die weniger als 50 Euro kosten.

Strickjacke mit Pelzbesatz

Verwirrende EU-Vorgaben

Die EU-Textilkennzeichnungsverordnung (1007/2011) schreibt keinen eindeutigen Hinweis auf Echtpelz bei Pelzprodukten vor. Stattdessen verlangt die Textilkennzeichnungsverordnung lediglich, dass einige Artikel, die tierische Materialien enthalten, wie beispielsweise Echtpelz, Leder, Federn, Daunen und Knochen, den Wortlaut ‚Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs‘ tragen müssen.

Wie die aktuelle Studie zeigt, sind viele Echtpelzprodukte nicht mit der Formulierung versehen. Durch Bezeichnungen wie „100% Acryl“ werden die Konsumenten in die Irre geführt. Darüber hinaus darf – da die Verordnung nur Textilien umfasst – eine breite Palette von Produkten wie Schuhe, Handtaschen und Schlüsselbundzubehör, die echtes Tierfell enthalten, gänzlich ohne Kennzeichnung im Handel angeboten werden.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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