Milchpreis verringert sich – Leid der Milchkühe vergrößert sich

18.05.2016 - Der Verfall des Milchpreises ist in allen Medien, denn die Milch wird derzeit quasi „verramscht“. Der Deutsche Tierschutzbund macht darauf aufmerksam, dass die geringen Preise, die die Milchbauern derzeit erhalten, nicht ausreichen, um in mehr Tierschutz zu investieren.

Kranke Kühe, nicht tiergerechte Haltungsformen oder die Schlachtung trächtiger Rinder sind Folgen des ökonomischen Drucks und eines aus dem Ruder gelaufenen Systems.

 Schutz der Milchkühe geht durch Preisverfall unter

„Die Grundursache für den  Preisverfall mag das Marktüberangebot sein. Aber für die Kühe hat es direkte, fatale Folgen. Denn immer mehr Landwirte sehen sich gezwungen, immer billiger zu produzieren. Da bleibt keine Luft für die dringend notwendigen Investitionen in artgerechtere Haltungsformen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. 

Forderung der Tierschützer nach gesetzlichen Regelungen

Der Verband verlangt von der Politik, das Überangebot an Milch zu regulieren, gesetzliche Regelungen zur Haltung von Milchkühen zu erlassen und tierfreundliche Betriebe stärker finanziell zu unterstützen. „Das geht nicht allein mit kurzfristigen Überbrückungszahlungen, da braucht es eine langfristig angelegte Strategie. Die muss politisch gesteuert und vom Landwirt, dem Handel und auch dem Verbraucher aktiv begleitet werden“, so Schröder.  

Höchstleistungen der Milchkühe

Das konventionelle System der Milchwirtschaft ist aus Sicht der Tierschützer völlig aus dem Ruder gelaufen. Durch die Zucht auf Milchproduktion leiden die Kühe unter Eutererkrankungen, Stoffwechselstörungen und Klauenschäden. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Milchkühe, die bis zu 50 Liter Milch am Tag geben und damit Höchstleistungen erbringen, sank auf nur vier Jahre.

Kalber als "Schlachtabfall" oder einfach "unbrauchbar"

Erbringt eine Kuh nicht mehr die geforderte Leistung, ist sie wirtschaftlich „unbrauchbar“ und wird aus dem Bestand aussortiert und geschlachtet. Es wird keine Rücksicht darauf genommen, wenn dabei auch hochträchtige Kühe sind. Auch die männlichen Kälber der Milchkühe sind „unbrauchbar“, weil sie später keine Milch geben und kaum Fleisch ansetzen. Sie werden meist stiefmütterlich behandelt und früh geschlachtet.

Plakat mit Kalb-Embryo im Mutterleib

 Tierschutzlabel für Milchkühe

Derzeit arbeitet der Deutsche Tierschutzbund an Kriterien für eine Einstiegs- und Premiumstufe für Milchkühe. Ziel ist es, zum Jahreswechsel Milchkühe mit in das zweistufige Label-Programm aufnehmen zu können. Mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ sollen den Landwirten die Chance geboten werden, durch die Qualität ihrer Erzeugnisse wettbewerbsfähig zu bleiben.

Quelle und Foto: Dt. Tierschutzbund

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