Volksbegehren Artenvielfalt erfolgreich beendet

Die Bienen haben es geschafft! Das „Volksbegehrens Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“, das die Bürger Bayerns vom 31. Januar bis 13. Februar 2019 in die Rathäuser trieb, endete mit einem sensationellen Erfolg. Es wurde sogar das erfolgreichstes Volksbegehren der Geschichte in Bayern. 1.745.383 Millionen Unterschriften für ein besseres Naturschutzgesetz wurden gesammelt, es haben sich somit 18,4 Prozent der Wahlberechtigten eingetragen.

Hilpoltstein / München, 14.02.2019 – Bayerns Bürgerinnen und Bürger wünschen sich einen wirksamen Schutz der Artenvielfalt und die Förderung einer naturnahen Landwirtschaft. Dies ist das klare Signal, das vom Ausgang des „Volksbegehrens Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ an die Politik ausgeht.

„Wir haben fest mit dem Erfolg gerechnet und sind doch überwältigt“, sagt Agnes Becker, die Beauftragte des Volksbegehrens und Stellvertretende Vorsitzende der ÖDP Bayern, nach der endgültigen Auszählung der Stimmen. „Der Auftrag der Bevölkerung an die Politik ist eindeutig: der Artenschutz muss in Zukunft verbindlich geregelt werden, und zwar gemeinsam mit der Landwirtschaft.“

In allen sieben Regierungsbezirken und vor allem auch in allen bayerischen Landkreisen wurde laut vorläufigem Auszählungsergebnis des Landeswahlleiters die gesetzliche Hürde von zehn Prozent der Eintragungen deutlich genommen. Am stärksten schnitten die Regierungsbezirke Mittelfranken (20,6%), Oberbayern (20,3%) und Schwaben (18,0%) ab.

187.406 Münchnerinnen und Münchner haben sich eingetragen, das sind 20,5 %.
Alle Landkreisgemeinden lagen z.T. deutlich über 20 %. Im Landkreis insgesamt waren es 26,5 %.

Volksbegehren Artenvielfalt  - ehrenamtliche Helfer bedanken sich mit Schildern vor dem Münchner Rathaus

Die Spitzenreiter von Stadt und Land 

Die Spitzenreiter auf Gemeindeebene sind nach vorläufigen Meldungen der Kommunen an das Volksbegehren: Polling/LK Weilheim-Schongau (47,08%), Stettfeld/LK Haßberge (45,82%), Utting am Ammersee/LK Landsberg a. Lech (39,39%), Buckenhof/Erlangen-Höchstadt (38,84%), Baierbrun/LK München (36,77%), Weßling/LK Starnberg (36,35%), Uffing/LK Garmisch-Partenkirchen (35,86%), Schöngeising/LK Fürstenfeldbruck (35,22%), Grafrath/LK Fürstenfeldbruck (34,11%), Oberhaching/LK München (33,15%).

Unter den größeren Städten führen Erlangen (24,9%), Bamberg (21%), und Würzburg (20,9%). Die Landeshauptstadt München kam auf 20,5 Prozent. Auch in stark ländlich geprägten Regionen wie Oberfranken (16,7%) oder Niederbayern (13,9%) war der Zuspruch für das Volksbegehren deutlich.

Die wichtigsten Ziele des Volksbegehrens

Zu den Kernforderungen des Volksbegehrens Artenvielfalt gehört der massive Ausbau der ökologischen Landwirtschaft in Bayern, die Vernetzung von Lebensräumen in einem landesweiten Biotopverbund, die Einhaltung von Uferrandstreifen an Gewässern, die Umwandlung von zehn Prozent des bayerischen Grünlands in Blühwiesen und die pestizidfreie Bewirtschaftung der staatlichen Flächen. Im Zusammenspiel sollen diese Maßnahmen den bedrohten Tier- und Pflanzenarten Bayerns eine echte Überlebenschance bieten.
Die Initiatoren des Volksbegehrens sind sich dabei einig, dass mehr Artenschutz keinesfalls landwirtschaftliche Existenzen gefährden soll. Der Gesetzentwurf zielt darauf ab, gerade kleinen und mittleren Betrieben in der Landwirtschaft neue Chancen zu eröffnen. „Trotz einer zum Teil massiven Gegenkampagne mit bewusster Desinformation haben die Bürgerinnen und Bürger klar verstanden, worum es geht: Dies ist ein Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt. Es ermöglicht den Bauern, auf naturverträgliche Landwirtschaft umzustellen“, so der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer.

Der Gesetzentwurf des Volksbegehrens muss nun innerhalb der nächsten vier Wochen in den bayerischen Landtag eingebracht werden. Lehnt das Parlament ihn ab, kann der Landtag einen Gegenentwurf vorschlagen, der gemeinsam mit dem Gesetz des Volksbegehrens in einem Volksentscheid zur Wahl gestellt wird. „Der überwältigende Erfolg des Volksbegehrens zeigt, wo die Latte hängt. Unser Gesetzentwurf beinhaltet das Minimum an Naturschutz und Ökologisierung der Landwirtschaft, darunter geht es nicht mehr“, so Ludwig Hartmann, der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im bayerischen Landtag. „Eine Mogelpackung, bei der unsere Forderungen weichgespült werden, wird weder von uns noch den Bürgern akzeptiert.“

Unterstützung von vielen Organisationen

Wie dringend das Thema Naturschutz und Artenerhalt in weiten Teilen der Bevölkerung empfunden wird, zeigt sich nicht nur am hohen Prozentsatz der Eintragungen, sondern auch an dem breiten, überparteilichen Bündnis der Unterstützer, gebildet von Kirchen, Verbänden und über 170 Organisationen und Unternehmen aus allen Teilen der Gesellschaft. „Diese enorme Resonanz auf das Volksbegehren ist der Beweis dafür, dass die direkte Demokratie in Bayern lebt. Das Instrument der Volksgesetzgebung hilft den Menschen aus der politischen Ohnmachtsfalle – es macht sie zu souveränen Entscheidern in eigener Sache“, freut sich Richard Mergner, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern.

Quelle: Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV)

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