Waschbärfamilie in der Münchner Reptilienauffangstation

Überraschung beim Öffnen des Containers! Als blinde Passagiere kam eine frischgebackene Waschbärfamilie mit einer Holzlieferung aus Norwegen in München an. Verängstigt und nach der tagelangen Fahrt am Rande ihrer Kräfte wurde die Mutter mit ihren vier Babys in die Münchner Reptilienauffangstation gebracht.

09.05.2019 Das erzählt die Auffangstation über ihre neuen Gäste, über Wildtierwaisen und invasive Tierarten:

Eine norwegische Waschbärfamilie zieht unfreiwillig um

Grundsätzlich zieht die Auffangstation für Reptilien keine verwaisten Jungtiere auf und engagiert sich nicht direkt in der Wildtierhilfe. Das ist ein Betätigungsfeld, das wir nicht stemmen können, aber manchmal kommt es eben anders als man denkt: Eine Werkstätte in München recycelt Palettenholz und hatte in Norwegen Holz gekauft. Dieses wurde in einem Überseecontainer geliefert. Beim Öffnen des Containers zeigte sich aber, als ein Fellblitz knurrend und fauchend an den überraschten Arbeitern vorbeizischte, dass mindestens ein blinder Passagier im Container gewesen sein musste – eine völlig verängstigte Waschbärin …

Doch sie war nicht alleine. Im Container, zwischen den Brettern, waren noch vier hilflose Junge, gerade vierzehn Tage alt. Offensichtlich hatte das Tier im Holz ein Nest bereitet und Junge geboren. Doch irgendwann gingen die Türen zu und Mutter und Kinder waren mehrere Tage eingesperrt, ohne Wasser oder Nahrung. Es grenzt an ein Wunder, dass das Muttertier es trotzdem über mehrere Tage schaffte, ihre Babies am Leben zu erhalten. Die vier hamstergroßen Jungbärchen wurden ganz hinten im Container unter Lattenholz gefunden, die Mutter aber war „über alle Berge“.

Infolge der relativ neuen Regelungen zu invasiven Arten und einer Absprache mit dem Tierheim ist in München die Reptilienauffangstation für Waschbären zuständig und wurde verständigt. Die vier kleinen Waschbären kamen in die Obhut des Auffangstationsleiters Dr. Markus Baur, wo die völlig unterkühlten, abgemagerten und dehydrierten kleinen Kerlchen zunächst tierärztlich und mit Infusionen versorgt werden mussten. Leider starb eines der Kleinen bereits nach wenigen Tagen. Für ihn waren die langen Strapazen zu viel gewesen.

Von der geflohenen Mutter war zunächst keine Spur zu finden, doch nach zehn Tagen saß sie morgens in einer Katzenfalle. Hier ist dann nicht primär der Tierschutz gefragt, sondern das Kreisverwaltungsreferat und die Untere Jagdbehörde, die theoretisch den als invasiv und für die heimische Fauna und Flora gefährlich geltenden Waschbären hätte töten (lassen) können. Die Tiere sollen im Rahmen der Managementmaßnahmen für den Waschbären stark bejagt werden. Dennoch erlaubten KVR und Jagdbehörde eine ebenfalls vorgesehene nicht tödliche Managementmaßnahme: Das Tier durfte am Leben bleiben und wurde der Auffangstation in Obhut gegeben, allerdings mit der Auflage, es „unter Verschluss“ zu halten, zu kastrieren und zu kennzeichnen. Das arg abgemagerte Tier gewöhnte sich sehr rasch an die Nähe der Pfleger und die Tatsache, in einem Gehege zu leben. Wir alle hatten gedacht, es wäre schwieriger, einen „Wildfang“ in Gefangenschaft zu pflegen.

Den kleinen Waschbärchen ging es zunächst gut, die Augen öffneten sich, die kleinen Bäuche wurden rund und man konnte Wachstum und Entwicklung von Tag zu Tag beobachten. Trotzdem verstarb noch eines der Babies. Die Überlebenden, Heidi und Harald jedoch gedeihen prächtig und konnten vor wenigen Tagen in die Obhut des Wildtierwaisen-Schutzes übersiedeln. Dort bleiben sie so lange, bis sie selbstständig fressen und in einer Außenanlage der Auffangstation gepflegt werden können.

 Die Waschbärbabys Harald und Heidi in der Münchner Reptilienauffangstation

Hilfe durch den Wildtierwaisen-Schutz e.V.

So ergab es sich zudem, dass am vergangenen Wochenende auch ein junger Fuchs für kurze Zeit Gast in der Auffangstation war, bis er ebenfalls vom Wildtierwaisen-Schutz aufgenommen werden konnte.
Es ist uns hier ein besonderes Anliegen, auf den Wildtierwaisen-Schutz, einen gemeinnützigen Verein mit hochengagierten und fachkundigen Mitgliedern, aufmerksam zu machen und für die gute Zusammenarbeit zu danken sowie das großes Engagement für Tiere, die keinen Besitzer haben, herauszustellen.
Gerade in Bezug auf Waschbären ist diese Kooperation Gold wert und hat so manchem kleinen „Waschi“ das Leben gerettet, neben Hunderten anderer Wildtierwaisen. Der Verein ist zwar nicht in der Lage, alle verwaisten Jungtiere aufzunehmen, vermittelt aber fast alle Tierarten an Spezialisten. Erfahrung mit Waschbären hatte eine der Vorsitzenden des Vereins, Frau Dr. Viviana Muñoz Schmieder. Sie hat als Tierärztin im Vorstand des Vereins viele Tierbabies gepflegt und kümmert sich nun liebevoll um die beiden kleinen Waschbären.

Invasive Tierarten

Insgesamt aber ist die Situation für den Waschbären, der ja aus Nordamerika stammt und erst seit den 1930er Jahren in Deutschland lebt, weil er zu Jagdzwecken angesiedelt und ausgesetzt wurde – und sich nun rasant ausbreitet – prekär. Es ist unbestreitbar, dass Waschbären als Generalisten überall eine Nische finden, an die sie sich bestens anpassen können. Sie vermehren sich wirklich stark, breiten sich aus, konkurrieren mit heimischen Arten um Lebensraum und fressen sich durch die heimische, teils bedrohte und rar gewordenen Fauna. Es ist daher verständlich, dass der Waschbär stark bejagt wird und dass Maßnahmen getroffen werden müssen, eine weitere rasante Ausbreitung zu verhindern.

Dennoch ist die geltende EU-Verordnung 1143/2014 unausgegoren, ebenso wie ihre Umsetzung in deutsches Recht durch die Novellierung des Bundes-Artenschutzgesetzes. Sie birgt in der aktuellen Auslegung gravierende Tierschutzprobleme. Eigentlich verbietet sie Einfuhr und Zucht einiger Arten sowie den Handel mit ihnen, was nachvollziehbar ist. Allerdings wird niemand bestreiten können, dass die Haltung und Aufzucht dieser Tiere „unter Verschluss“ sicherlich nicht zu einer Massenausbreitung führen wird. Auch, dass aktuell Tierheime, die als gewerbliche Halter gelten, keine betroffenen Arten 100%ig legal aufnehmen oder weitervermitteln können, geschweige denn die notwendigen Genehmigungen beantragen können, ist ein enormes Problem.

Die ganzjährige Bejagung allerdings, die keine Schonzeiten vorsieht oder den Eltern- und Jungtierschutz, der ein hohes ethisches Gut der waidgerechten Jagd darstellt, außer Kraft setzt bzw. ignoriert, sollte zu denken geben, zumal die Massenbejagung des Fuchses vor Jahren belegt hat, dass hierdurch keinerlei positiver Effekt erzielt werden kann. Es gibt hier viel zu tun und vor allem viele Dinge gerichtlich zu klären, aber immerhin sind Mutter und zwei der Jungtiere sowie das Füchslein in Sicherheit.

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