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Seidenschwanz als seltener Gast: vielleicht auch bald in München?

Der Seidenschwanz (Bombycilla garrulus) sorgt immer wieder für Aufsehen, wenn er plötzlich in größeren Gruppen in Deutschland auftaucht. Aktuell werden vor allem in Norddeutschland vermehrt Seidenschwänze beobachtet. Doch auch für Bayern besteht regelmäßig Hoffnung: Alle paar Jahre kommt es zu Invasionswintern, in denen die Vögel bis nach Süddeutschland vordringen.

Für Naturfreund:innen, Vogelliebhaber:innen und Naturfotograf:innen ist das eine besondere Gelegenheit, diese auffällige Vogelart aus nächster Nähe zu erleben. Die Redaktion des Tierportals München wünscht Ihnen dafür viel Glück.

Warum wird der Seidenschwanz auch Pestvogel genannt?

Die Bezeichnung stammt aus dem Mittelalter, als das plötzliche Erscheinen der fremdartigen Vögel mit Unglück, Seuchen oder Hungersnöten in Verbindung gebracht wurde.

Ist der Seidenschwanz ein Zugvogel?

Nein der Seidenschwanz ist kein Zugvogel und zählt auch nicht zu den Neozoen (eingeschleppten Tierarten).
Heute spricht man von sogenannten Invasionsvögeln. Dieser Begriff beschreibt kein schädliches Verhalten, sondern das unregelmäßige, teils massenhafte Auftreten in Regionen außerhalb des eigentlichen Brutgebiets. Laut NABU erscheinen Seidenschwänze alle paar Jahre invasionsartig in Mitteleuropa und verschwinden nach einigen Wochen wieder.

Herkunft und Lebensraum des Seidenschwanzes

Der Seidenschwanz ist kein heimischer Brutvogel in Deutschland. Sein Verbreitungsgebiet liegt in der nördlichen Taigazone der Nordhalbkugel, unter anderem in:

• Skandinavien
• Sibirien
• Alaska und Kanada

Bevorzugt werden fichtenreiche Mischwälder mit dichtem Unterholz sowie lockere Lärchen- und Birkenwälder. Die Vögel sind Standvögel oder Kurzstreckenzieher. Besonders Populationen aus dem hohen Norden weichen im Winter nach Süden aus.

Warum kommen Seidenschwänze nach Deutschland – und auch nach Bayern?

Die Ursache für das Auftreten der Seidenschwänze in Deutschland ist heute gut erforscht: Nahrungsknappheit in den Brutgebieten, insbesondere ein Mangel an Ebereschenbeeren im Winter.

Kommt es dort gleichzeitig zu:

• geringer Beerenernte
• hoher Populationsdichte (z. B. nach milden Wintern und erfolgreichen Brutsaisons)

ziehen große Schwärme nach Süden. In solchen Jahren erreichen die Seidenschwänze nicht nur Nord- und Ostdeutschland, sondern auch Bayern.

👉 Historische Invasionswinter, etwa 2008/2009, zeigten besonders viele Seidenschwänze in Süddeutschland, vor allem in Bayern. Erst im letzten Jahr wurden Seidenvögel am Chiemsee gesichtet. Auch künftig ist damit zu rechnen, dass die Art in mehrjährigen Abständen wieder in bayerischen Städten, Parks und Streuobstlandschaften auftaucht.

Aussehen und Verhalten

Der Seidenschwanz ist trotz seines grau-braunen Gefieders ein sehr auffälliger Vogel:
Erkennungsmerkmale:

• etwa starengroß
• seidiges Gefieder
• schwarze Augenmaske und Kehle
• markante Federhaube
• gelbe Schwanzenden
• schwarze Flügel mit weißen, gelben und roten Zeichnungen
• rote, wachstropfenartige Enden an den Armschwingen („Waxwing“)
• meist in kleinen bis mittelgroßen Trupps unterwegs

Der Ruf klingt hoch, fein und gläsern – oft beschrieben als langgezogenes „Sirrrr“.

Seidenschwanz auf einem Ast

Nahrung: Wovon leben Seidenschwänze in Deutschland?

In Deutschland sind Seidenschwänze ausschließlich auf Nahrungssuche. Sie ernähren sich überwiegend von:

• Eberesche
• Weißdorn
• Liguster
• Wacholder
• Sanddorn
• Hagebutten
• Äpfeln und Birnen

Ihr Energiebedarf ist hoch: Täglich benötigen sie etwa das Doppelte ihres Körpergewichts an Nahrung und trinken vergleichsweise viel.

Seidenschwänze in Bayern beobachten

Auch wenn aktuelle Sichtungen meist aus Norddeutschland gemeldet werden, gilt:
Bayern gehört regelmäßig zu den Regionen, die in Invasionsjahren betroffen sind.

Besonders gute Chancen bestehen:

• in Streuobstgebieten
• in Parks und Gärten mit Beerensträuchern
• an Gewässern und naturnahen Biotopen

Aktuelle Beobachtungen lassen sich über Plattformen wie ornitho.de verfolgen.

Fazit: Ein seltener Gast mit Zukunft

Der Seidenschwanz ist kein Eindringling, sondern ein faszinierender Wintergast. Sein Auftreten folgt natürlichen Zyklen – und auch in Bayern darf man sich alle paar Jahre auf diesen besonderen Vogel freuen.
Wer ihn entdeckt, erlebt ein seltenes Naturschauspiel und ein Stück lebendige Naturgeschichte.