Mit den steigenden Temperaturen erwacht eine Gefahr im Unterholz: die Borreliose. Sie ist aber längst keine saisonale Erscheinung mehr, sondern bedroht die Gesundheit unserer Hunde mittlerweile fast das ganze Jahr über. Ein kurzer Spaziergang im Grünen kann für den Vierbeiner ungeahnt böse Folgen haben.
Was man über Zecken, deren Bisse und die damit übertragenen Krankheiten wissen sollte und welche Vorkehrungen man treffen kann, weiß die Tierheilpraktikerin Petra Scharl, Partnerin von Tierportal München.
Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, ist eine durch Zecken übertragene Infektionskrankheit, die Hunde ebenso wie Menschen betreffen kann.
Der Erreger ist das Bakterium Borrelia burgdorferi sensu lato, das vor allem durch den Stich der Schildzecke (Ixodes ricinus, „Gemeiner Holzbock“) übertragen wird. Aufgrund milderer Winter und längerer Aktivitätszeiten der Zecken hat die Bedeutung dieser Krankheit in den letzten Jahren stetig zugenommen.

Erreger und Übertragung
Die Infektion erfolgt, wenn eine mit Borrelia burgdorferi infizierte Zecke 24–48 Stunden oder länger saugt. Die Bakterien gelangen über den Speichel der Zecke in die Blutbahn des Hundes. Nur ein Bruchteil der infizierten Tiere entwickelt tatsächlich klinische Symptome; viele bleiben subklinisch infiziert. Ein starkes Immunsystem kann das Fortschreiten der Infektion verhindern.
Wird die Zecke früher entfernt, sinkt das Infektionsrisiko deutlich. Allerdings merkt man einen Zeckenstich oft gar nicht, da Zeckenspeichel betäubend wirkt – darum ist die tägliche Kontrolle nach Spaziergängen so wichtig.

Pathogenese
Nach der Infektion wandern die Borrelien über das Blut- und Lymphsystem in verschiedene Organe und Gewebe. Bevorzugt betroffen sind Gelenke, Muskulatur, Nervensystem und Nieren. Chronische Entzündungsprozesse führen dort zu degenerativen Veränderungen – insbesondere wandernde Lahmheiten und Gelenksentzündungen (Lyme-Arthritis) sind typisch.
Inkubationszeit
Die Inkubationszeit beträgt meist 2 bis 5 Monate, kann aber auch länger dauern. Diese Verzögerung erschwert die Zuordnung der Symptome zu einem Zeckenstich erheblich.
Klinische Symptome
Nur etwa 5–10 % der infizierten Hunde zeigen Krankheitsanzeichen. Häufige Symptome sind:
• Lahmheit, oft wechselnd zwischen den Gliedmaßen („Wandernde Lahmheit“)
• Fieber und Mattigkeit
• Appetitlosigkeit
• Gelenkentzündungen und -schwellungen
• In schweren Fällen: Nierenschäden (Lyme-Nephritis), besonders bei Retrievern
Neurologische und kardiale Manifestationen sind seltener, aber beschrieben.
Diagnostik
Die Diagnose ist komplex und beruht auf einer Kombination aus:
1. Anamnese und klinischer Untersuchung (z. B. bekannte Zeckenexposition)
2. Serologische Tests auf Borrelien-Antikörper (z. B. ELISA, Western Blot)
3. C6-Antikörpertest – spezifisch für aktive Infektionen
4. PCR-Nachweis von Borrelien-DNA in Gelenkflüssigkeit oder Gewebe.
Da Antikörper auch nach überstandener oder symptomloser Infektion vorhanden bleiben können, ist die reine Seropositivität nicht beweisend.
Therapie
Die Standardtherapie besteht aus einer Antibiotikabehandlung über 3–4 Wochen. Am häufigsten eingesetzt werden:
• Doxycyclin (10 mg/kg täglich über 28 Tage)
• Alternativ: Amoxicillin oder Cefalexin
Unterstützend können entzündungshemmende Medikamente, Phytotherapie, Mykoptherapie inkl. Apitherapie, helfen. Physiotherapie und eine angepasste Ernährung optimieren die Therapie.
Bei frühzeitiger Behandlung ist die Prognose gut; bei spät erkannten oder chronischen Fällen können jedoch bleibende Gelenk- oder Organschäden zurückbleiben.
Prävention
Vorbeugung ist der wichtigste Schutz. Wichtige Maßnahmen:
• Tägliche Zeckenkontrolle und rasches Entfernen der Parasiten
• Einsatz von natürlichen Zeckenschutzmitteln (natürlichen Spot on’s), Tic Clip, sowie ätherische Öle.
• Vermeidung zeckenreicher Gebiete in der Hauptsaison
• Impfung gegen Borreliose, je nach Risiko und Tierarztberatung
Die Impfung schützt nicht vollständig, kann jedoch den Krankheitsverlauf mildern und die Infektionswahrscheinlichkeit senken.

Prognose und Bedeutung
Bei rechtzeitiger Diagnosestellung ist Borreliose meist gut behandelbar. Unbehandelt kann sie in chronische Formen übergehen oder Organschäden (v. a. Niere) verursachen. Epidemiologisch gelten Hunde zudem als Sentinel-Tiere – ihre Infektionsraten können Rückschlüsse auf das regionale Borreliose-Risiko für Menschen geben.
Fazit
Borreliose beim Hund ist eine ernsthafte, aber vermeidbare Zeckenkrankheit. Eine Kombination aus konsequenter Zeckenprophylaxe, frühzeitiger Diagnose und sachgerechter Antibiotikatherapie bietet die besten Heilungschancen. Prävention bleibt jedoch die wirksamste Strategie gegen diese heimtückische Infektion.
Petra Scharl - natur-heilt-tiere.de
THP Praxis, 85465 Langenpreising
